Archiv für Juli, 2011

Tag 24

Posted in Uncategorized on Juli 29, 2011 by lukibern

Heute Morgen war wieder Sanitätsausbildung angesagt : mit Rettungsbarren rumrennen, Schaufelbarren montieren, CPR und weitere intressante Dinge machten einen wirklich gelungenen Freitag aus.

Im Zug ist die Idee aufgekommen, während einer Woche die Totzeit-also die Zeit, die ungenutzt verstreicht- laufend zu stoppen und festzuhalten. Heute ist viel Zeit ungenutzt verstrichen. Sehr viel Zeit. Im Kriegsfalle wären wir auf alle Fälle irgendwo am warten. Eigentlich ist es aber so ziemlich gemütlich.

Am Abend hatte ich die Ehre wieder einmal in der Küche zu stehen. Zum ersten Mal war der Auftrag nicht nur putzen, sondern wir durften mitkochen. Grundsätzlich tue ich das nicht ungern. Überhaupt ist die sogenannte Fassmannschaft der sinnvollste Befehl, den man erhalten kann. Nirgends sonst zieht jemand unmittelbar Nutzen aus unseren Handlungen.
Ein weiterer Punkt ist das Küchenpersonal: Sie sind super und jeder will mit ihnen gut auskommen. So ist das:“Sie geben mir Nahrung, ich bin nett. Ich will mehr Nahrung (als die anderen), ich bin netter.“ -Ein höchst spannendes Spielchen.

Am Abend ging dann in unserem Zimmer die Post ab: plötzlich tanzten alle im Zimmer rum wie verrückt, verkleidet mit den unterschiedlichsten Ausrüstungsgegenständen. Es war ein historischer Moment, als die erste militärische Shitdance (ohne Konzept rumtanzen) Party losging. Und es war einer der spassigsten Momente meines Lebens. Die Stimmung war sensationell und der Zimmerzusammenhalt schoss in die Höhe.

Das alles ohne jeglichen Einfluss berauschender oder bewusstseibsverändernder Substanzen, bevor Sie sich über die Jugend/Rekruten von heute aufregen.

Morgen ist bis Dienstag Urlaub. Spätestens dann gibts wieder Briefe von der Front.

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Tag 23

Posted in Uncategorized on Juli 28, 2011 by lukibern

Heute Morgen war Schiessen angesagt- ich werd mit der Flinte einfach nicht warm.

Am Abend stand danach ein 5 Kilometer Marsch an- ein schöner Spaziergang, der zur Hälfte durch unterirdische Bunkergänge (die offiziell vermutlich gar nicht existieren) von der einen Kaserne in die andere führte.

Unterwegs im Bunker trafen wir auf eingerichtete Notunterkünfte: Zimmer, Waschräume-alles bombensicher im Bergmassiv. Die Erkenntnis, dass eine reale Angst vor einem realen Krieg den Bau dieser Unterkünfte veranlasst hatte, löste schon ein komisches Gefühl aus. Wie schön wir es doch haben, wenn wir über das Militär, Russen etc. spotten und lachen können und dürfen.

Nach dem Marsch stand Übung „Nachtbueb“ an. In sinnlos kurzer Zeit bereits saubere Sachen putzen um danach in allerkürzester Zeit zu duschen. Ein bisschen Stress, um das richtige Militärfeeling heraufzubeschwören kann auch nicht schaden. Wir haben die Übung zur Zufriedenheit der Vorgesetzten abgeschlossen ( wenn man normalerweise etwas sehr gut macht, heisst es seitens Vorgesetzte „nicht schlecht“- heute gabs ein „sehr gut, ich bin stolz auf Sie“)-ein schönes Gefühl.

Gute Nacht normale Welt, wir spielen noch bis Samstag Theater in Uniform 😀

Tag 22

Posted in Uncategorized on Juli 27, 2011 by lukibern

Jeden Abend stelle ich mir wieder die Frage, was ich in meinen Blog schreiben soll und jeden Abend bin ich erstaunt, dass mir etwas in den Sinn kommt.

Heute war Sanitätsausbildung angesagt. Verbandslehre mit Wundatrappen, Verletzten und spritzendem Theaterblut machte Spass und eine riesige Sauerei. Die Patienten hatten das grosse Vergnügen, das Theaterblutgeschmier abzuwaschen. Am Nachmittag wurden wir geimpft und in Verbrennungen und ähnlichen Verletzungen unterrichtet.

Wenn der Krieg ausbricht, holen wir uns jedenfalls dank der Impfung keine Meningitis.

Kleiner Exkurs zum Thema Fresspäckchen: Der Wert des Fresspäckchens ist unvorstellbar. Vorher hätte ich nie gedacht, dass das Fresspäckchen eine derart gelungene Tradition finden würde.
Rekruten stehen Schlange, wenn die Post geöffnet ist. Ich freue mich jeweils wie ein Kind an Weihnachten, wenn ich ein Päckchen abholen kann (Intressenten können gerne per Mail meine Feldadresse anfordern-ich freue mich immer :D). Ich liebe Fresspäckchen-es ist einfach ein Stück Normalität in einem absurden Verein. Es erinnert an die Zivilisation in der reglementierten Kasernenwelt.

Weiterhin glaubt mein Zugführer an meine Militärkarriere. Ich zweifle. Noch mehr: Ich bin vom Gegenteil überzeugt. Wenn er Oberst werde, dürfe ich als Oberstleutnant sein Stellvertreter werden. Ich denke von meinem ersten zivilen Lohn schicke ich ihm ein liebes Fresspäckchen.

Es grüsst: Kaderamwärter und zukünftiger Berufsoffizier

Tag 21

Posted in Uncategorized on Juli 26, 2011 by lukibern

Dienstag. Tag des kleinen Ausgangs. Schon nur deswegen ist der Dienstag ein toller Tag.

Heute wurden Infusionen gesteckt. Für mich eine spassige Premiere (für den Patienten weniger spassig-item). Rekruten aus jeglichen Berufsfeldern, die sich gegenseitig Venen (durch-)stechen boten ein wunderbares Bild. Obwohl mein venöses Blut den Boden verzierte, hatte ich (und ich glaube die meisten Anderen auch) einen Heidenspass.

Exkurs zum Tenue bzw. Uniformen: ist ein Vorgesetzter da, hat man das Tenue zu korrigieren: Kragen runter, Schuhbändel verstecken und Reissverschlüsse zu. Den Vorgesetzten macht das Spass. Unser Zugführer meint zum Beispiel:“ So ein Tenue ist wie ‚Finde Walter‘, ich könnte das stundenlang machen-vor Rekruten stehen und Tenue korrigieren.“

Mein Zugführer lebt ausserdem in der Überzeugung, aus mir werde ein Berufsoffizier. „Oberst im Generalstab Balsiger“. Er versucht alles, mir eine Militärkarriere schmackhaft zu machen. Die Versuchung ist wahrhaft riesig, berufsmässig in den Verein der Uniformen zu treten und mein Leben dem Kampf gegen die Russen zu widmen.

Trotz alledem hoffe und glaube ich, dass mein Zugführer nicht prophetisch begabt ist und dass es nicht soweit kommt. Ich hoffe es.

Tag 20

Posted in Uncategorized on Juli 25, 2011 by lukibern

„Dluft vou Zuckrwatte, dSchueh vou Sagmäu“ Im Lied „Zitadella“ von Tommy Vercetti wird ein bisschen vom Zirkusleben portraitiert.
Das Militär ist im Prinzip auch ein grosser Zirkus. Auf jeden Fall sind die Hauptakteure Clowns und der Apparat noch schwerfälliger als Elephanten in der Manege.
Mit meiner Einstellung habe ich manchmal sogar den Eindruck, dass die Luft voll Zuckerwatte sei und geniesse es (Obwohl die Vorgesetzten alles daran setzen, dass ja nie freudige Gefühle aufkommen), denn eine gute Zeit zu haben ist eine Frage der Perspektive.
Der

Intressanter Fakt: Prinzipiell erhält jeder männliche schweizer Staatsbürger, der zwanzig Jahre alt ist ein Sturmgewehr. Das ist sinnvoll, denn so hat jeder Mann die Gelegenheit ein Gewehr zu putzen. Das zu dem.

Heute wurden wir darin ausgebildet, auf chemische Angriffe zu reagieren. Gasmaske und alles inbegriffen. Der Spassfaktor hätte auch niedriger sein können.

Die Militärpolizei war fast den ganzen Tag auf Platz und durchsuchte die Kaserne. Misstrauensstimmung und Unsicherheit erfüllte die Kaserne. Wer hat was wieso zu verstecken und wieso verdächtigen sie wen, was gemacht zu haben?

Nach wie vor geistern Gerüchte über allerhand Vorkommnisse durch die Kaserne. Anlässlich des Polizeibesuchs wurde von Drogenverstecken und Ähnlichem berichtet. Wahrheitsgehalt unbekannt bis niedrig.

Ausserdem stattete uns der Feldprediger einen Besuch ab. Er brachte meine Militäreinstellung herrlich auf den Punkt : man erhält nicht das, was man will, also ist man glücklich mit dem, was man kriegt. Ich bin glücklich. Trotz allen Umständen.

Das Militär ist wie ein elend langer Witz. Man wartet und wartet auf die Pointe, doch sie kommt nicht.

Ich lache trotzdem.

Tag 19

Posted in Uncategorized on Juli 22, 2011 by lukibern

Heute war die Stimmung nicht gerade bombig, da der Zugführer gar nicht zufrieden war.

Ich war grundsätzlich gut drauf, da ich mir zu schade bin, mir von dem Verein die Laune zu verderben. Es gibt allerhand zu lachen hier und das tue ich ausgiebig.
Die vielen Situationen lassen sich leider nur schwer rekonstruieren und vermutlich ist die Witzigkeit einer solchen Situation auch zu über 50% dem Schlafmangel zuzuschreiben.

Der Schlafmangel lässt uns im Zeugs rumblödeln als gäbe es kein Morgen, was ja an der Front auch alles andere als selbstverständlich ist.

Die Umgebung hier ist sehr schön (siehe Bild vom Kasernenplatz aus) und das Wetter hat auch mitgespielt. Herzlichen Dank an dieser Stelle.

Am Wochenende sind offenbar 15 Grad prognostiziert. Nach einer kalten Woche freue mich auf jedes einzelne davon.

Und ich kann morgen wieder in eine Welt ohne Geschrei und Befehle. Bin gespannt. Freue mich, normale Menschen zu sehen und Tenue zivil tragen zu dürfen.

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Tag 16

Posted in Uncategorized on Juli 21, 2011 by lukibern

Ich weiss ungefähr wieviel mein Blog gelesen wird, allerdings habe ich keine Ahnung von wem. Offenbar hat sich auch das Wetter in der Anonymität des Internets zu der Lektüre meines Blogs bequemt. Nach zwei Unmutsbekundungen über einen winterlichen Sommer hat sich das Wetter heute stark verbessert und hat uns einen sommerlicheren Tag (zumindest angenehm warmen) beschert. Danke.

Heute habe ich mich ein bisschen mit dem Schiessen und mit Maria versöhnt. Ich habe es sportlich genommen und sogar ein bisschen Spass gehabt. Trotzdem sind einige Vorstellungen skuril:
-Wir werden für den Kriegsfall ausgebildet
-Jeder Schuss, den wir abfeuern, könnte einen Menschen umbringen (klingt pathetisch und übertrieben, aber ist zwischendurch eine Überlegung)
-Alles, was wir machen kostet Geld. Vielleicht nicht viel, aber ziemlich sicher zuviel.

Das zu meinen Überlegungen.

Die Ausbildungsorte sind wunderschön und wären für Töfftouren bestens geeignet.

Weitermachen war auch ein Thema. Mein Zugführer sieht mich in einigen Jahren im Berufsmilitär. Ich mich nicht. Das zu dem.

Morgen ist Freitag. Und Rebecca Black soll schweigen, denn gerade jetzt bedeutet mir der Freitag sehr viel.

Glücklich und zufrieden (wirklich!) meldet sich aus der Soldatenstube voller Vorfreude auf das Wochenende- Berufsoffizier in spe Balsiger