Archiv für Juli, 2012

Tag 76

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

Wichtig isch, dass Fritig isch! Aufbruchstimmung in Moudon, heute fahren wir nach Glaubenberg. Zum zweiten Mal in zwei Tagen werde ich in beinahe schmerzliche Nähe zur Heimat sein ohne dort bleiben zu können.
Nach dem Mittag ging es los. Bis Brienz verlief die Verschiebung problemlos. Dort gab es 20 Minuten Pause am See, bevor wir uns an den Brünigpass wagten. Da fingen die Schwierigkeiten an. Nach nur circa zwei Kilometern überhitzte der erste Duro. Er hatte etwa 12 Personen ohne Gepäck sowie einen leeren Anhänger zu schleppen. Betriebsgewicht demnach um die 4,4 Tonnen, Maximalgewicht mit Anhänger 7,5 Tonnen. Ist sowas normal? Als letztes Fahrzeug des Konvois musste ich mit unserem Kader an Bord natürlich auch anhalten. Geschlagene 20 Minuten dauerte es, bis das Kühlwasser wieder auf eine vertretbare Temperatur abgekühlt war. Währenddessen fuhren lauter herausgeputzte 40-Tönner hupend an uns vorbei, offenbar beginnt das Country- und Truckerfestival in Interlaken. Bis zur nächsten Überhitzung blieben wie von Problemen verschont und nach dieser legten wir den Rest der Strecke mit Tempo 20 zurück, um den Motor etwas zu schonen. Es funktionierte! Auf den letzten Metern wurden wir noch vom Hauptfeldweibel überholt, der Stunden nach uns gestartet war, und dann endlich erreichten wir die Kaserne Glaubenberg. Ganz im lokalen Chalet-Stil gehalten, nur hässlicher, bietet diese Truppenunterkunft recht viel, ausser einem ebenen Apellplatz. Mehr zur Unterkunft vielleicht nächste Woche, wenn wir uns ein bisschen eingelebt haben.

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Tag 75

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

Während die anderen die Kaserne für die morgige Abgabe vorbereiten werden wir mit zivilen Reisebussen nach Kehrsatz zum Landsitz Lohn kutschiert. Dort – und jetzt kommt’s – standen wir erstmal dumm rum. Dann die gleiche Übung wie gestern, nur extremer. Der Kadi persönlich richtete unsere Gewehre, zwei Leute der Reserve mussten alle Schuhe noch einmal glänzen, die Kragen wurden gerichtet, die Schnur für die Fersen gespannt, alles war bereit, ausser der Kadi. Bei dem schienen die Nerven angesichts der vielen hohen Tiere, die schon da waren, blank zu liegen. Beim Übungsdurchgang verhaspelte er sich bei der Meldung an die Ministerin, ruhig stehen war kein Thema mehr für ihn. Das Line-Up war zugegebenermassen auch ziemlich beeindruckend: Verteidigungsminister Maurer, Aussenminister Burkhalter, Korpskommandant und Chef der Armee Blattmann, Korpskommandant bzw. Chef Luftwaffe Gygax, Oberst Elmer, unser Lehrverbandskommandant (Flieger 31) sowie diverse recht hohe Berufsmilitärs. Dazu der worst-dressed Kameramann ever und einige Fotografen. Medieninteresse bestand, weil morgen in Bern oder Meiringen offenbar eine Art Rahmenvertrag über die Gripen-Beschaffung unterzeichnet werden soll. Jedenfalls funktionierte dann doch alles reibungslos, sobald der hohe Gast zugegen war, und wir wurden mit Ausgang belohnt. Das wurde in der nächsten Beiz in Moudon mit einem günstigen aber guten Entrecôte gefeiert und mit genügend Bier vergessen.

Tag 74

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

Mittwoch wieder… der Morgen war – wer hätte das gedacht – dem Manipulieren gewidmet, nach dem Mittag fand dann die Selektion für die Ehrenkompanie statt. Seid ihr schon mal 40 Minuten in der Achtungsstellung an der prallen Sonne bei 35 Grad rumgestanden? Es ist nicht witzig und noch weniger angenehm. Immerhin wurde ich ausgewählt, so komme ich dazu, morgen das selbe noch einmal zu machen. Aber so lange musste ich gar nicht warten, denn kaum hatte man das Ehrendetachement komplett hiess es schon wieder „Achtung!“ und der Grösse nach eingestanden. Die Glieder wurden aufgeteilt und bei jedem einzelnen die Traghöhe und -position des Gewehres korrigiert. Auch der Helm und sein Überzug wurden gerichtet. Man stelle sich vor, wie lange das bei einer Detachementsstärke von 70 Mann dauert. Etwa so lange standen wir wieder alle im Achtung. Danach folgte die gründlichste Gewehrreinigung, die ich je gemacht habe, das gleiche bei den Stiefeln und sogar das Bajonett wurde geölt. Wir sind bereit!

Tag 73

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

Ernstfall! Einsatz auf der Airbase Payere! Diesmal ohne Odysee am Ende der Reise ging es wieder nach Payerne, wo auch gleich gesichert angehalten werden musste. 360 Grad Sicherung ums Fahrzeug, Waffen im Anschlag. Dann sogleich eine Patrouille ausschicken, die den störungsfreien Aufbau des Einsatzkommando-Postens sicherstellt, parallel dazu die Ruhe- und Reserveelemente verstecken, das Wachtdispositiv des Kommandopostens bereitstellen und die Funkverbindung mit den anderen Zügen herstellen, die einen Beobachtungsposten und einen Checkpoint betrieben. Das alles in Vollmontur mit Splitterschutzweste und Helm. Der Feind lauert hinter jeder Ecke. Tönt alles total ernst und professionell? War es nicht! Dass wir gesichert ausbooten müssen musste der Zugführer erst bei jedem Fahrzeug erklären gehen, die Funkverbindung herstellen heisst soviel wie mit dem Puch herumdüsen und Funkgeräte verteilen bzw. einsammeln gehen und vor allem waren unsere Waffen neutralisiert. Irgendwie zwar beruhigend, wenn man sieht was alles mit geladener Waffe herumgelaufen wäre, aber trotzdem ein Witz, wenn uns das ganze als Einsatz verkauft wird. Immerhin erhielten wir scharfe Reizstoffsprühgeräte, aber auch die mussten erst beim Checkpoint geholt werden. Kaum war aufgebaut musste schon der Posten gewechselt werden, wir wurden zum Checkpoint geschoben. Dort endlich etwas „Action“, denn durch das bewachte Tor wollten tatsächlich Leute durch! Ganz erstaunt waren wir, als nicht jeder zweite – wie bei den Übungen immer – entweder mit dem Auto durchbrechen oder einem von uns ans Lebendige wollte. Nach einer Stunde Checkpoint-Dienst war auch das langweilig geworden und wir wurden von einer anderen Gruppe des Zuges abgelöst. Schlafen! 
Ab da war der Tag eigentlich gelaufen. Ich war nur noch in Ruhe- und Reservedetachementen, was auf gut deutsch Pause bedeutet. Zum Abendessen gab es zum ersten Mal einen Chili-Johnny vom Notkocher. Ist echt lecker! Nach einer mehr oder weniger kurzen After Action Review rollten wir wieder los Richtung Bett. Vom Zugführer erfuhr ich bei dieser Gelegenheit noch einige Auszüge aus dem Einsatzbefehl, den die Kompanie erhalten hatte: Einzusetzen wären zum Beispiel ausschliesslich Pistolen und RSG gewesen. RSG hatten wir 18 für die ganze Kompanie und für die Pistolen immer noch keine Holster. Toll!

Tag 72

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

Wieder ein ereignisloser Tag auf dem Schiessplatz. Die Ausbildung erinnert immer noch erschreckend an die ersten sieben Wochen, aber bald sollte auch das vorbei sein. Wir wissen zwar fast nichts über den Wochenplan, und das gilt bis zum Kompaniekommandanten für alle, aber eines scheint sicher: Am Freitag verschieben wir auf den Glaubenberg. Endlich raus aus diesem Dreckloch Moudon. Keine Ahnung wie da jemand auf den Übernamen Moudon Beach kommen kann. Wenigstens ist mittlerweile das Essen meist hervorragend.

Tag 70 & 71

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

An den letzten beiden Tagen wurde wieder fleissig manipuliert und andere geistig aufreibende Ausbildung betrieben. Lichtblicke waren eine Mini-Häuserdurchsuchungsübung im Dunkeln mit Nachtsichtgeräten, Laserpointern und Zielfernrohren sowie ein für mich geradezu lächerlich gemütlicher Freitag Nachmittag. Da wir ja als Ehrenformation für die Schwedische Verteidigungsministerin ausgewählt wurden, müssen wir alle ein neues Tenu B haben, sofern unser altes nicht sitzt oder kaputt ist. Ausserdem werden wir den Helm tragen müssen, und der war mir bis jetzt glücklicherweise zu klein. Glücklich bin ich darüber nicht weil ich so auf Kopfschmerzen stehe, sondern weil ich deshalb den ganzen Nachmittag frei hatte. Zusammen mit einem Kameraden und zwei Leutnants wurden wir nach Grolley ins Logistikcenter gefahren, um unsere Helme zu tauschen. Wieso einfach, wenns auch kompliziert geht?! Danach durfte ich auch gleich abtreten und nach Hause gehen, mein erstes Urlaubsgesuch wurde bewilligt. Das zweite ist schon in Arbeit!

Tag 69

Posted in Uncategorized on Juli 2, 2012 by juraglider

Da wie so oft praktisch keine Informationen vorlagen, herrschte helle Aufregung über den heutigen Tag. Die ganze Kompanie geht nach Payerne auf die Airbase. Wir stellten uns darunter halbwegs einsatzbezogene Ausbildung vor und wurden – wie das so üblich ist, wenn man dem Militär gegenüber eine Erwartungshaltung hat – herbe enttäuscht. Wir mussten ernsthaft circa 40 Minuten lang verschieben sowie eine zusätzliche Stunde völlig planlos um das Flugfeld herumkurven, um dann… jetzt kommts: zu manipulieren. Mir kam schier das Kotzen! Das einzig halbwegs sinnvolle, das wir in Payerne gemacht haben, war eine Theorie über die verschiedenen ID-Karten, die auf dem Flugplatz Payerne akzeptiert werden. Das Essen war auch nur ein mickriges Lunchpaket, also alles in allem ein völlig unzufriedenstellender Tag.